Welche Tiere kann man mit einer Impfung schützen?

Grundsätzlich kann man alle gesunden Säugetiere impfen. Eine Impfung ist eine Prophylaxe, d.h. der Körper, genauer das Immunsystem baut nach einer Impfung Abwehrkörper = Antikörper auf. Antikörper sind spezielle Eiweisskörper, welche beispielsweise Erreger erkennen und neutralisieren können. Die meisten Antikörper bauen sich wie andere Eiweisse auch mit der Zeit ab, darum empfiehlt man Nachimpfungen, welche das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen und somit den Körper schützen. Bei Katzen und Hunden gibt es keine Impfungen, welche ein Leben lang wirken, je nach Erregertyp und Impfstofftyp werden jährliche Nachimpfungen empfohlen, bei gewissen Erregern ergeben die heutigen modernen Impfstoffe einen sicheren Schutz bis 3 Jahre. Jungtiere werden in der Regel über die Aufnahme von Muttermilch bereits in den ersten Tagen nach der Geburt durch in der Milch enthaltene Antikörper passiv geimpft. Diese speziellen maternalen Antikörper ( = von der Mutter produzierten Antikörper) sind nur in der Milch enthalten, sofern das Muttertier zuvor geimpft wurde oder eine Krankheit erfolgreich überstanden hat. Die maternalen Antikörper bauen sich innerhalb von 7-16 Wochen ab, d.h. die Jungtiere sind später nicht mehr mit Antikörper gegen Erreger geschützt. Das Immunsystem ist auf sich gestellt und muss bei einer allfälligen späteren Ansteckung alle Antikörper selber bilden. Dieses Phänomen kennt wahrscheinlich jeder, welcher schon einmal an Grippeviren erkrankt ist, der infizierte Körper kämpft unter Fieber 4-5 Tage lang mehr oder weniger erfolgreich gegen die Erreger und nach einer Woche klingen unter den neugebildeten Antikörper die Symptome wieder ab. Da nicht alle Infektionen „harmlos“ verlaufen und insbesondere bei Jungtieren aber auch alten Tieren das Immunsystem nicht immer gut funktioniert, werden in Risikogebieten besonders Impfungen bei diesen Gruppen empfohlen.

 

Grundimmunisierung:

Jeder Körper macht nach einer ersten Impfung nur wenig Antikörper, welche nach einiger Zeit keinen optimalen Schutz mehr bieten, darum macht man in der Regel in kurzen Abständen d. h. 3-4 Wochen eine zweite Impfung. Spezialisierte Immunzellen können so viel mehr Antikörper bilden. Nach einer dritten Impfung steigert sich die Antikörperproduktion erneut und das Tier ist danach viel länger durch aktive Antikörper geschützt. Neue Studien haben gezeigt, dass bei 8-wöchigen Welpen nach der ersten Impfung nur etwa 50% genügend Antikörper produzieren, nach der zweiten Impfung im Alter von etwa 12 Wochen produzierten 80% der Welpen Antikörper und nach einer dritten Impfung in der 16. Lebenswoche produzierten über 98% genügend Antikörper. Daher wird bei Jungtieren (Hunden und Katzen) seit einigen Jahren neu empfohlen, dass die Welpen im Abstand von 3-4 Wochen 3x geimpft werden. Die Grundimmunisierung ist aber erst ein Jahr später mit der vierten Impfung abgeschlossen, d.h. das geimpfte Tier ist belastbar geschützt.

Folgende Impfungen werden heute in der Schweiz empfohlen:

 

Katzen: Eine jährliche Impfung wird je nach Infektionsdruck für folgende Krankheiten empfohlen.

              Katzenschnupfen (Caliciviren, Herpesviren, Chlamydien-Bakterien)

              Katzenseuche (Panleukopenie, Parvovirus)

              Katzenleukose (FeLV (Feline Leukosevirus) = Retroviren))

              FIP (Feline infektiöse Peritonitis, Coronaviren)

 

              Tollwut (Rhabdoviren > Lyssaviren)                     >> nach Grundimmunisierung alle 3 Jahre

                                                                                             bei Tieren mit Auslandreisen obligatorisch

 

Hunde: Eine regelmässige Impfung wird je nach Erregertyp jährlich bis alle 3 Jahre empfohlen.

              Staupe (Morbilliviren)                                            >> nach Grundimmunisierung alle 3 Jahre

              Parvovirose (Parvoviren)                                       >> nach Grundimmunisierung alle 3 Jahre

              Hepatitis contagiosa canis H.c.c.(Adenoviren).   >> nach Grundimmunisierung alle 3 Jahre

              Zwingerhusten (Parainfluenzaviren, Bordetella Bakterien)                              >> jährlich

              Leptospirose                                                                                                        >> jährlich

 

              Tollwut (Rhabdoviren > Lyssaviren)                     >> nach Grundimmunisierung alle 3 Jahre

                                                                                             bei Tieren mit Auslandreisen obligatorisch

Neu seit Juni 2103

Leptospiren-Impfstoff mit 6 Erregerstämmen = verbessert die Schutzwirkung

 

Frettchen: Staupe                                                            >> nach Grundimmunisierung alle 3 Jahre

                    Tollwut (Rhabdoviren > Lyssaviren)               >> nach Grundimmunisierung alle 3 Jahre

                                                                                            bei Tieren mit Auslandreisen obligatorisch

 

Kaninchen: Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen (RHD, auch Chinaseuche)   >> jährlich

                     Myxomatose (Anzeigepflichtige Viruserkrankung, in der CH kein Impfstoff zugelassen)

Impfungen

In unserer Praxis werden regelmässig Katzen und Hunde, gelegentlich auch Frettchen und Kaninchen geimpft.

 

Impfungen: Fakten und Geschichte

Seit etwa 200 Jahren ist in der Medizin die Wirkung einer Impfung bekannt. Man unterscheidet die passive von der aktiven Immunisierung. Das körpereigene Immunsystem reagiert bei der aktiven Immunisierung auf den Angriff von Erregern nach einer gewissen Zeit mit speziellen Abwehrzellen (Leukozyten) und der Bildung von Antikörpern und kann so die Erreger bekämpfen. Bei der passiven Immunisierung werden direkt Antikörper appliziert, welche zuvor in einem anderen Organismus oder auf Zellkulturen gebildet wurden, diese Impfungen wirken schneller, schützen aber weniger lang. Der englische Arzt Edward Jenner entwickelte um 1800 einen ersten aktiven Impfstoff gegen die damals weit verbreitete und oft tödliche Pockenkrankheit. Er beobachtete, dass mit den weniger gefährlichen Kuhpocken infizierte Bauern nicht an der eigentlichen Pockenkrankheit erkrankten. Er entnahm darauf aus Kuhpockenblasen Flüssigkeit und strich sie auf die aufgekratzte Haut von Bauern, durch diese „Impfung“ mit Kuhpocken wurden die Probanden später tatsächlich gegen Pockenviren geschützt. Weitere Impfungen gegen Milzbrand, Cholera, Diphtherie und Tollwut folgten im 19.Jahrhundert.

Heute wird der Nutzen von Impfungen in der Medizin weltweit anerkannt und angewendet. Bei Menschen und Tieren werden so heute hunderte Millionen von Individuen gegen eine wachsende Anzahl von Erregern (Viren, Bakterien, Parasiten und Pilzen) geschützt. 

Mittlerweile wurden die Pockenviren durch die weltweite Impfung ausgerottet. In der Schweiz konnten bei den Haustieren beispielsweise in den letzten 20-40 Jahren namentlich die Tuberkulose, die Maul und Klauenseuche und die Tollwut mit Hilfe von landesweiten Impfaktionen bekämpft werden. In neuerer Zeit wurden durch flächenhafte Impfaktionen auch die Staupe, die Katzenleukose und bei den Kühen die Blauzungenkrankheit erfolgreich zurück gedrängt. In letzter Zeit wurden aber insbesondere auch in der Schweiz von selbsternannten „Impfspezialisten“ die Wirkungen von Impfungen in Frage gestellt oder sie stellen die selten auftretenden Nebenwirkungen in den Vordergrund. Wichtig ist folgende Erkenntnis: Eine Impfung ist immer eine Massnahme, welche einer Population zu gute kommt. Ein geimpftes Tier erkrankt dadurch nicht oder nur gering an einem Erreger und kann so die Infektionskette in einer Population unterbrechen. Oftmals sind in der Medizin Impfungen als Prophylaxe die einzigen wirksamen Massnahmen! Damit eine Population gut gegen einen Erreger geschützt ist, d.h. sich ein Erreger nicht schnell ausbreiten kann, wird eine Durchimpfungsrate von mindestens 80% empfohlen.

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